schön euch mal wieder ansprechen zu können. Turbulente Zeiten liegen hinter
meinen Mitarbeitern und mir. Eigentlich war geplant, den nach sechs Jahren
auslaufenden Vertrag im MERLIN um ein Jahr zu verlängern. Aber die
Wirtschaftskrise schlug in der Merlingastronomie dieses Jahr so dermassen ein,
das an ein Weitermachen nicht mehr zu denken war. Also: Notbremse ziehen!!
Sechs schöne Jahre bei den Merlingen mit ihrer engagierten Kulturarbeit und
ihren Untermietern, den Grünen und den Linken, Terre Des Hommes und Tibet
Ini, Aktzeichnern und Pekip Gruppen, Tai Chi und Yoga, Radfahrer West und
Elterngruppen. Adieu und Schluss. Vor dem schnöden Mammon kapituliert.
Wieder so eine schmerzhafte Kerbe im Schaft meiner alternativen
Gastronomievisionen! Eine davon war auch mein Traum einer funktionierenden
Jazzkneipe. Nach über dreissig Jahren mit Rogers Kiste und ähem, ähnlichem:
gefühlter Biogrophiemüll. Aber halt, da war doch mal was gewesen... ein
wahnsinns Erfolgserlebnis. Lange her, aber Stuttgarter Gastronomiegeschichte,
fast so intensiv wie Rogers Kiste. Richtig, im Jahre (In The Year...) 1980 eröffnete
ich mit Roger Stuttgarts damals erste alternative Gartenwirtschaft Rogers Ruh
auf der Wangener Höhe. Der Name war der frühen Stunde beim Notar
geschuldet, der auf seine Frage nach dem Namen des neuen Lokals
einwarf, früher hiess das Friedrichsruh... Und Ruhe war es, die wir alten
Nachteulen um 10 Uhr morgens beim Notar am meisten herbeisehnten. "Rogers
Ruh" , jawoll, so solle es heissen und nu wollen wa heim ins Bett. Rogers Ruh
entwickelte sich in rasantem Tempo zu einer echten In Location. Weniger
für die Innenstädtler. Mehr für die Leute aus Birkach, Sillenbuch, Degerloch,
Wangen, Untertürkheim, Gablenberg und Gänsheide. Im Sommer natürlich auch
für die Stuttgarter, denn Freiluftplätze im Kessel waren rar und die Luft auf der
Wangener Höhe deutlich besser. Isse heute noch!! Der damalige Hausbesitzer,
ein Altstadtbarbetreiber hatte das Haus beim Zocken von seinem
Getränkelieferanten gewonnen. Entsprechend war sein Engagement bei der
dringend nötigen Gebäudesanierung und so mußten wir 1983 ganz schnell
wieder aufhören, bevor das Gebäude über uns zusammenstürzte... Ich war
damals mächtig traurig und konnte mich gottseidank ein Jahr später mit der
Wiedereröffnung von Rogers Kiste trösten. 1990 kam die unter altem Namen
firmierende Friedrichsruh zum Verkauf.

Mein als Psychologiestudent in der Kiste jobbender Aushilfskellner Hotte kaufte
den maroden Schuppen (das konnte man sich als Aushilfe in der Kiste damals
leisten!! ;-))) ) und führte den Laden 19 Jahre lang zusammen mit seiner Frau Ute
sehr erfolgreich. Aber irgendwann wird man müde... und dann wollten die beiden
nicht mehr.

Der Laden wurde verpachtet, und jetzt mache ich es kurz, die Sache wurde wegen
gewisser Unzulänglichkeiten ganz schnell wieder beendet. Da ich im Spätsommer
dieses Jahres leicht nostalgisch immer wieder um das Haus schlich, rief mich Hotte
eines Tages mal rein und fragte mich, ob ich nicht Bock hätte mit ihm zusammen die
Friedrichsruh zu machen. Joah!! Hatte ich.

Und nun sind wir da. Nun haben wir mächtig Lust unter dem Titel Wirtshaus
Friedrichsruh eine neudeutsch relaunchte Version der guten alten Friedrichs (Rogers)
Ruh zu bieten. Und Hilfe können die Zwei ja nun wirklich brauchen... Und sei es nur
zum Spülen...

Wir haben 'ne ganze Menge vor. Das würde aber jetzt zu weit führen, den ganzen
Plan zu verraten...Nehmt uns einfach mal so wie wir zur Zeit sind: Mächtig motiviert,
sehr engagiert und immer bestrebt das Beste für Euch und auch uns rauszuholen.
Schön ist es hier nicht nur im Sommer, auch der Winter hat schöne Tage im
Wirtshaus Friedrichsruh!!
Liebe Gäste, der Text ist, zugegeben recht alt, aber immer noch aktuell!!! Drum lassen wir
ihn, wie er ist!
In diesem Sinne, bis morgen in alter Frische,
Euer Atze
erstellt am 17.01.2011